{"id":355,"date":"2024-04-27T14:46:28","date_gmt":"2024-04-27T13:46:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.luechtenberg.de\/WordPress_01\/?p=355"},"modified":"2024-04-27T15:51:48","modified_gmt":"2024-04-27T14:51:48","slug":"im-taxi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.luechtenberg.de\/WordPress_01\/im-taxi\/","title":{"rendered":"Im Taxi"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Er sah nachdenklich aus. So, als wenn Ihn irgend etwas besch\u00e4ftigte.<br>Sollte ich Ihn ansprechen? Ich kenne Ihn doch gar nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch ein wenig Smalltalk konnte nicht schaden. Schlie\u00dflich unterh\u00e4lt man sich auch mit seinem Friseur, und einfach die gesamte Taxifahrt zu schweigen, ist ja irgendwie unh\u00f6flich. Also versuchte ich es. Die Fahrt w\u00fcrde ja sicher noch eine ganze Weile dauern.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch anstatt einen Satz \u00fcber das Wetter oder den Berufsverkehr zu sagen, fragte ich: \u201eProbleme?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Mist! So beginnt man doch keinen Smalltalk. Eher eine gewollte Konfrontation. Ich biss mir auf die Lippen und suchte nach einer unverf\u00e4nglichen Fortsetzung der Frage, da bemerkte ich seinen \u00fcberraschten Blick in den R\u00fcckspiegel auf mich auf der R\u00fcckbank.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWieso, nein?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch wollte nicht unh\u00f6flich sein, aber es sah so aus, als w\u00e4ren sie etwas abgelenkt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ein Taxifahrer und abgelenkt. Gleich setzt er mich vor die T\u00fcre, dachte ich.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa, wissen Sie, es besch\u00e4ftigt mich schon den ganzen Tag, und ich wei\u00df nicht, was ich machen soll.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ui, jetzt habe ich wohl ins Fettn\u00e4pfchen getreten, und er sagt mit, seine Freundin sei schwanger, oder \u00e4hnliches. Bevor ich abbrechen konnte, setzte er fort:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch bin im zweiten Lehrjahr. Bald mache ich meine Gesellenpr\u00fcfung als Facharbeiter f\u00fcr Solaranlagen. Die Arbeit macht mir Spa\u00df. Ich w\u00fcrde sicher in der Firma bleiben k\u00f6nnen und h\u00e4tte zusammen mit dem Taxi-Job ein gutes Einkommen. Doch mein Chef, der auch mein Onkel ist, hat mir geraten, weiter zu machen. Ein Ingenieurstudium! Er w\u00fcrde mich auch unterst\u00fctzen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas klingt doch toll! Nicht jeder bekommt so eine Chance.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa, das mag sein. Doch das Studium w\u00e4re im Ausland. Ich m\u00fcsste meine Sprachkenntnisse in kurzer Zeit aufbessern und w\u00fcrde lange Zeit ohne meine Freunde hier sein. Ich wei\u00df nicht, ob ich das schaffen werde.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><em>Das war es also. So jung und schon Selbstzweifel.&nbsp;<\/em><em>Und keine schwangere Freundin \u2013 Puh.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;So eine Entscheidung ist sicher nicht leicht.&nbsp;Die kann Dir auch niemand wirklich abnehmen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Keine Ahnung, warum ich Ihn jetzt pl\u00f6tzlich duzte.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Aber ich kann Dir sagen,&nbsp; dass Du noch viele solche Entscheidungen in Deinem Leben treffen musst,&nbsp;und jedes Mal wirst Du unsicher sein, das richtige zu tun.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><em>In einer gedanklichen Pause sah Ich Ihn an und bemerkte,<\/em> <em>dass er sehr aufmerksam meinen Worten folgte.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBleibst Du bei Deinem Onkel in der Firma und f\u00e4hrst weiter abends Taxi, wirst Du sicher gut leben k\u00f6nnen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Er nickte.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Aber kann es nicht sein, dass Du Dich irgendwann einmal fragst, wie Dein Leben gelaufen w\u00e4re, h\u00e4ttest Du das Angebot Deines Onkels angenommen und w\u00e4rst Bauingenieur geworden?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa, aber so ein Studium ist schwer. Wie soll ich das schaffen? Ich habe selbst die Schule mit Ach und Krach geschafft. Welche Entt\u00e4uschung w\u00e4re ich, wenn mich mein Onkel so unterst\u00fctzt, und ich muss nach 3 Semestern vielleicht schon abbrechen?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wir hatten den Kern seines Dilemmas getroffen!<\/em> <em>Er sah sich in Gedanken schon als \u201eLoser\u201c nach Hause zur\u00fcckehren.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHier geht es nicht um Deinen Onkel, sondern nur um Dich! Ich kann Dir nur sagen:&nbsp;Wenn sich Dir zwei Wege \u00f6ffnen, der eine vermeintlich leicht,&nbsp;der andere aber schwer und vielleicht un\u00fcberwindbar, dann nehme trotzdem den schweren.<br>Versuche es!&nbsp;Halte Dir aber immer als \u201ePlan B\u201c den anderen Weg offen.&nbsp;<br>Denn solltest erkennen, dass Du den Anforderungen nicht gewachsen bist, dann kennst Du Deine Grenzen.<br>Dann aufzugeben, ist keine Schw\u00e4che, im Gegenteil:<br>Du wirst sp\u00e4ter guten Gewissens sagen k\u00f6nnen, dass Du es versucht hast.&nbsp;Das ist tausendmal besser, als das Gef\u00fchl des Zweifels, es nie versucht zu haben.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich war sehr \u00fcberrascht, so altklug gegen\u00fcber jemand aufzutreten, den ich nicht kannte, und dem ich sicher nie wieder begegnen werde. Er sagte lange Zeit nichts, doch seine n\u00e4chste Reaktion h\u00e4tte ich nie vermutet. Wieder blickte er in den R\u00fcckspiegel:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSind sie ein Gott?\u201c<br><br><em>Ich lachte verlegen.&nbsp;Hatte ich wirklich so einen Eindruck hinterlassen?<\/em><br>\u201eNein, ganz bestimmt nicht.&nbsp;<br>Aber ich habe selbst schon mal vor einer \u00e4hnlichen Entscheidung gestanden.&nbsp;Ich habe mir im Studium hohe Ziele gesetzt.<br>Als ich meine Grenzen erkannte, war es Zeit,&nbsp;den Kurs zu korrigieren und eine n\u00e4here Ausfahrt zu suchen.&nbsp;Ich habe es nie bereut, denn es war genau die richtige Entscheidung.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er war sichtlich beeindruckt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wir waren am Ziel angekommen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Er h\u00e4tte fast vergessen, das Taxameter zu stoppen und mir die Kosten f\u00fcr die kurze Fahrt zu nennen. Ich stieg aus und winkte Ihm nach. Was mag wohl aus Ihm geworden sein?<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend ich die Haust\u00fcre aufschloss, dachte ich noch mal nach.<br>Man kann tats\u00e4chlich sagen, dass ein einfacher Satz mein Lebensmotto geworden ist:<\/p>\n\n\n\n<p>Ziele hoch, und treffe mittig!<\/p>\n\n\n\n<p>Roland aus Friemersheim. 2024<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er sah nachdenklich aus. So, als wenn Ihn irgend etwas besch\u00e4ftigte.Sollte ich Ihn ansprechen? Ich kenne Ihn doch gar nicht. Doch ein wenig Smalltalk konnte nicht schaden. Schlie\u00dflich unterh\u00e4lt man sich auch mit seinem Friseur, und einfach die gesamte Taxifahrt zu schweigen, ist ja irgendwie unh\u00f6flich. Also versuchte ich es. 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