{"id":87,"date":"2018-12-25T13:41:23","date_gmt":"2018-12-25T12:41:23","guid":{"rendered":"http:\/\/wp.luechtenberg.de\/?p=87"},"modified":"2019-12-19T15:40:31","modified_gmt":"2019-12-19T14:40:31","slug":"weihnachtsstress","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.luechtenberg.de\/WordPress_01\/weihnachtsstress\/","title":{"rendered":"Weihnachtsstress"},"content":{"rendered":"\n<p>Weihnachtszeit!<\/p>\n\n\n\n<p>Von allen Seiten klingt es, riecht es, und sieht aus wie: Weihnachten ! Weihnachtsm\u00e4rkte in jeder Stadt. In Duisburg wachsen blaue (!) Kunststofftannen aus dem Pflaster der K\u00f6nigstrasse. Sogenannte Weihnachtsmusik t\u00f6nt in einer endlosen Wiederholungsschleife aus hunderten von Lautsprechern. Gl\u00fchweinbuden und Grillst\u00e4nde bestimmen das Bild, und nur vereinzelt traut sich jemand, etwas handgefertigtes anzubieten, bis man bei n\u00e4herem Hinsehen erkennt: Der angeblich in filigraner Handschnitzerei gefertigte Balthasar sieht, wie auch alle anderen Krippenfiguren, exakt  so aus wie die anderen 5 Zwillinge dahinter, und die hundert anderen im versteckten Karton hinten in der Bude. CNC Fr\u00e4sb\u00e4nke machen es m\u00f6glich. Hier und da noch ein Kleiner Kratzer mit dem Schnitzmesser, und schon ist die &#8222;Handarbeit&#8220; fertig. <\/p>\n\n\n\n<p>Beim w\u00f6chentlichen Einkauf im Supermarkt versperren Schokoladen-Weihnachtsm\u00e4nner deinen gewohnten Einkaufsweg, und ein Blick auf die Schlange an der Fisch- und Fleisch-Theke k\u00fcndigt das nahe Weihnachtsfest an. Offenbar hat jemand gesagt, dass es nach den Feiertagen nichts essbares mehr gibt, und so werden bergeweise Lebensmittel auf die F\u00f6rderb\u00e4nder der Kassen gelegt, wo entnervte Kassiererinnen sich nur noch unter Anstrengung zu einem &#8222;<strong>Sch\u00f6ne Feiertage noch<\/strong>&#8220; durchringen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der Suche nach etwas Ruhe nehme ich am Heiligabend mal nicht den Wagen, um den vorbestellten Lachs f\u00fcr das Fest abzuholen. Ist ja nur ein Kilometer, und im Nieselregen, den Kopf eingezogen in den hochgestellten Kragen der Winterjacke wie eine Schildkr\u00f6te, denke ich mir: Wo ist denn nun das &#8222;Weihnachten&#8220; ? Heute, am heiligen Abend, ist vor mehr als 2000 Jahren ein Mann geboren worden, der in seinem kurzen Leben von Frieden, Mitmenschlichkeit und Liebe gepredigt hat. Er muss damit einen gro\u00dfen Eindruck hinterlassen haben, wenn man heute noch seinen Geburtstag feiert!<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn also der Grundgedanke von Weihnachten das Gedenken an diesen Mann und seine mahnenden Worte ist, wo finde ich Ihn zwischen all den Plastikverpackungen mit S\u00fc\u00dfigkeiten, zwischen Gl\u00fchweintassen und ratternden Registrierkassen ?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich finde Ihn, ganz unerwartet, beim Besuch meiner Mutter im Pflegeheim. Alle Bewohner, auch die bettl\u00e4gerigen, sind versammelt f\u00fcr eine kleine Andacht mit der Pfarrerin der evangelischen Gemeinde nebenan. Kein Weihnachtsbaum, keine Kerzen, und auf den Tischen mehr Schnabelbecher mit Kirschsaft als richtige Trinkgl\u00e4ser. Wir singen ein kleines Weihnachtslied, und alle stimmen mit ein. Hier, zwischen Rollst\u00fchlen und Rollatoren, finde ich endlich die Stimmung, die eines heiligen Abends w\u00fcrdig ist. &#8222;<strong>Friede Euch Allen<\/strong>&#8220; sagt die Pfarrerin, und ich f\u00fchle, dass diese Worte auch jeden ber\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Friede Euch Allen. Allen in dieser Welt. Gleich, welcher Nation, welcher Hautfarbe, welcher Religion. Allezeit. Nicht nur zur Weihnachtszeit. Geht achtsam miteinander um, und achtsam mit der Welt, von und auf der wir leben. Unser eigenes Leben ist endlich, und endlich sind die Resourcen dieser einen Welt. Das, was wir auf unserem Weg durchs Leben verbrauchen und zertreten, sollte auch wieder wachsen k\u00f6nnen.  Auf einer \u00f6ffentlichen Toilette las ich mal den profanen Satz &#8222;<strong>Hinterlasse diesen Ort so, wie Du Ihn dir vorzufinden w\u00fcnschst<\/strong>&#8222;. Sollte unsere Anwesenheit dann spurlos bleiben ?  Nein! Denn unser Schaffen sollte die Welt &#8211; hoffentlich &#8211; etwas besser gemacht haben. Das, denke ich, ist Weihnachten: Zeit f\u00fcr Uns, f\u00fcr die Familie, Zeit, mal \u00fcber uns nachzudenken, wie gut es uns doch geht.<\/p>\n\n\n\n<p>Und unsere Einsicht sollte in seinem Nachhall ein wenig in die Zeit derer klingen, die nach uns kommen und hoffentlich, eines Tages, das gleiche f\u00fcr sich selbst erkennen.<br><\/p>\n\n\n\n<p>Friede Euch Allen.<\/p>\n\n\n\n<p>Immer. Nicht nur zu Weihnachten.<\/p>\n\n\n\n<p>Roland. 25.12.2018.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weihnachtszeit! Von allen Seiten klingt es, riecht es, und sieht aus wie: Weihnachten ! Weihnachtsm\u00e4rkte in jeder Stadt. In Duisburg wachsen blaue (!) Kunststofftannen aus dem Pflaster der K\u00f6nigstrasse. Sogenannte Weihnachtsmusik t\u00f6nt in einer endlosen Wiederholungsschleife aus hunderten von Lautsprechern. 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